Schwarze Leute - Reclaiming Memories

Eine späte Akteneinsicht.

Schon bald nach dem Krieg kamen in der BRD afrodeutsche Kinder zur Welt: Kinder von weißen deutschen Frauen und Schwarzen Soldaten der US-Armee. Politik und Verwaltung erklärten Schwarze Kinder in Deutschland zu einem Problem, dass es möglichst schnell loszuwerden galt und sorgten dafür, dass viele von ihnen nicht in ihren Familien aufwuchsen, sondern in Heimen untergebracht oder ins Ausland geschickt wurden.

Der Umgang mit den Schwarzen Nachkriegskindern zeigt die Kontinuität von Rassimus von der Kolonialzeit über den Nationalsozialismus in die Bundesrepublik. Gegenwärtige Rufe nach „Remigration“, die Bezeichnung von Deutschen mit Migrationshintergrund als „Passdeutsche“ oder die Idee, man könne Menschen im Stadtbild ihre Nationalität oder Zugehörigkeit ansehen, machen die Auseinandersetzung mit der Ablehnung Schwarzer deutscher Kinder erschreckend aktuell.

„Wir sind immer noch damit beschäftigt, die Spuren unserer Geschichte aus den Trümmern zu holen.“ (Simone Dede Ayivi in Schwarze Leute)

Schwarze Leute – Reclaiming Memories thematisiert Rassismus in Gesellschaft und Behörden durch Inobhutnahme, Fürsorge und Ausgrenzung. Die Performance zeigt die Irritation, die durch die nach dem Krieg nicht vorgesehene Existenz Schwarzer Deutscher verursacht wurde. Am Umgang mit Schwarzen Kindern zeigt sich beispielhaft, welche Anstrengungen unternommen wurden, keine sichtbaren Anomalien im neuen Normal der 50er Jahre zuzulassen.

Die Arbeit entstand aus Gesprächen mit Schwarzen Deutschen, die zwischen 1947 und 1965 in der BRD geboren wurden. Auf der Bühne verbindet Simone Dede Ayivi ihre Erzählungen mit Protokollen politischer Sitzungen, Zeitungsartikeln und Jugendamtsakten. Grundlage hierfür waren umfangreiche Archiv-Recherchen im Rahmen von Künstler*innen-Residenzen im Theater Rampe Stuttgart und dem Künstler*innenhaus Mousonturm in Frankfurt.

Foto: Gedvilė Tamošiūnaitė

KONZEPT, TEXT, PERFORMANCE Simone Dede Ayivi
BÜHNE Lani Tran-Duc
DRAMATURGIE Jens Hillje
KOSTÜM Mariama Sow 
SOUND, MUSIK Johannes Birlinger
VIDEO Jones Seitz, Fine Freiberger 
LICHT, SPECIAL EFFECTS Frieder Miller
OUTSIDE EYE Bahar Meriç
TECHNISCHE LEITUNG Lui Marschewski

KÜNSTLERISCHE PROJEKTMITARBEIT Charlotte Rosengarth 
AUSSTATTUNGSMITARBEIT Luca Plaumann
VERMITTLUNG Johara Sarhan
RECHERCHE FRANKFURT Yaël Koutouan
RECHERCHE MANNHEIMT Nazli Saremi
ÜBERTITEL Lisa Wegener
PRESSE Sarah Rosenau
PRODUKTIONSLEITUNG ehrliche arbeit – freies Kulturbüro 

Entstanden aus Gesprächen mit: Eleonore, Elija, Jasmin, Rekha und Ria

Eine Produktion von Simone Dede Ayivi & Kompliz*innen in Koproduktion mit Sophiensæle, dem Künstler*innenhaus Mousonturm und dem Theater Rampe Stuttgart. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Hauptstadtkulturfonds. Die Arbeit wurde mit freundlicher Unterstützung durch die Residenzförderung des Fonds Darstellende Künste aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien entwickelt.

https://sophiensaele.com/de