Zelle 22

"Ich werde mir erlauben, dem Kreisleiter persönlich über Einzelheiten zu berichten.“

Aus dem Gestapo-Bericht der 1937 zur Festnahme von Simones Urgroßvater und 13 weiteren Sozialdemokraten in Langendiebach führte.

Als Teil des Theaterparcours „Until we are all free“ bei NO PRISON – Festival
Theaterformen 2026 beschäftigen sich Simone Dede Ayivi und Kompliz*innen mit familiärer Erinnerungskultur, Gedenken an Verwandte und der Weitergabe von Wissen und politischen Aufträgen als Lehre aus der NS-Verfolgung. Simone geht der Frage nach wie sich ihre Familiengeschichte schreibt und mit der Geschichte des Ortes verbindet, in dem sie aufwuchs. Vielleicht können wir so nachvollziehen, wie sich Widerstand weiterträgt – in Familien, Organisationen, Dörfern und Städten.

Für Ayivi ist es die erste künstlerische Arbeit zum Nationalsozialismus und trotz langjähriger Praxis im Recherchetheater und der regelmäßigen Arbeit mit Biographien, die erste, in der sie die eigene Familiengeschichte bearbeitet.

„Als ich in der Oberstufe war, hat mein Großvater mir die Akten über die Inhaftierung seines Vaters gezeigt. Er hat sie mir nicht nur gezeigt. Er hat mich mit den Worten „weil du auch geschichtlich interessiert bist“ eingearbeitet. Sein Vater, mein Urgroßvater hatte sich auch nach dem Verbot der SPD mit Parteigenoss*innen im Hinterzimmer ihrer Stammwirtschaft getroffen. Sie haben Karten gespielt, Lieder gesungen, über Politik geredet, Vereins- und Parteileben aufrecht erhalten und sich politisch organisiert. Das alles während ein Gestapo-Spitzel unter ihrem Fenster stand. Drei Jahre wurden sie beobachtet, bis sie schließlich verhaftet wurden.“

Foto: ???

KONZEPT, TEXT, PERFORMANCE Simone Dede Ayivi  

LICHT Jones Seitz 

SOUND Johannes Birlinger